Umgang mit Stress

Dieser Artikel wurde von Do, Hoang Viet am Sonntag, 25. November 2012 verfasst. Aktualisiert: 24.11.2013 05:18:26

Stress ist essentiell für unser Leben. Es treibt uns zu Hochform, doch auf Dauer zerstört es vieles, was uns wichtig. In diesem Artikel decken wir typische Ursachen von Stress (Stressoren) auf und zeigen, was ihr dagegen machen könnt.

Bevor wir uns mit dem Thema Stress auseinandersetzen und versuchen die Stressfaktoren zu minimieren, sollten wir ins Bewusstsein rufen, dass Stress essentiell für das Leben ist! Es sorgt für erhöhte Konzentration und Leistungsfähigkeit, so lange es sich in einem gesunden Ausprägungsgrad befindet. Gesunden Leistungssporn oder Abgabefristen schaden im Normalfall nicht. Es ist sogar sehr positiv wie beispielsweise die folgende Studie zeigt (externe Link)

Es geht bei diesem Artikel also nur darum, den langanhaltenden Stress auf einen gesunden Level wieder zu bringen. Denn auf Dauer wirkt Stress kontraproduktiv, sinkt unsere Leistung signifikant und führt zum Burnout-Syndrom. 

Wie sieht also der Schlachtplan aus?

  1. Persönliches Stressprofile erstellen
  2. Der Teufelskreis: Stress im Gesamtprozess

Übrigens, wird negativ Stress auch als Disstress bezeichnet und positive Stress als Eustress bezeichnet.

Persönliches Stressprofile

Wie auch bei allem anderen, was mit der menschlichen Psyche zu tuen hat, ist Stress subjektiv. Manch einer findet es total nervig, jeder Woche einen Übungsblatt abgeben zu müssen. Für manch anderen ist es aber genau die richtige Portion Druck, da er sonst gar nix machen würde. Doch was ist nun Disstress und was ist Eustress für mich?

Das Zauberwort heiß hier Tagesprotokoll. Leser vom Zeitmanagement (Artikel) können es sich vermutlich schon denken. Ihr führt eine Tabelle, indem ihr festhaltet, was ihr von wann bis wann gemacht habt und wie ihr euch dabei gefühlt haben. Rundet immer auf die volle Viertelstunde (z.B. 09:00, 10:15, 14:30, usw.). Bei der Erstellung der Tabelle ist es wichtig, dass ihr es gleich in dem Moment einträgt und nicht erst danach. Ihr werdet staunen, welch große Schlucht zwischen dem was ihr macht und dem was ihr machen wolltet liegt.

Nach ein paar Tagen oder bis spätesten eine Woche, solltet ihr mit der Auswertung der Daten anfangen. Ansonsten riskiert ihr, die ersten Einträgen wieder halbvergessen zu haben.

Suche nach den Stressoren

Ein Stressor ist ein Stressfaktor, der Stress ausübt und dieser wollen wir über das Tagesprotokoll identifizieren.

Stress hat sehr viel mit Ängsten zu tuen, was unsere Psyche überhaupt nicht mag. Daher versuchen wir oftmals unbewusst den Zustand schnell zu entkommen und/oder zu verdrängen.

Da das Ganze unbewusst passiert, wird in dem Protokoll nicht etwa stehen "Ich befürchte ich schaffe den Übungsblatt nicht und gehe jetzt Internet surfen.". Vielmehr müsst ihr auf die äußeren Erscheinungsbilder der Ängste schauen. Einige, die besonders für Studierende interressant sind, stellen wir im Folgenden vor.

Stressor 1: Überforderung und Leistungsdruck

Dieser Stressor lässt sich vorallen in der Prüfungszeit häufig beobachten (vgl. Prüfungsstress). Da sind die Zimmer der Studenten (für kurze Zeit) doch sehr sauber. Weil uns die Klausur stresst, wir dafür nicht lernen wollen und daher uns irgendwie anders zu beschäftigen versuchen um die Zeit zu töten. Dieses Erscheinungsbild der Angst in der Psychologie nennt man auch Fluchtlernen.

Wir haben schlechte Erfahrung gemacht oder der Außendruck (Erwartungen) durch Eltern, Freunden etc. ist zu hoch (oder was auch immer). Im unbewussten befürchten wir, dass wir es nicht schaffen werden den Erwartungen gerecht zu werden. Die Psyche ist in einem Stresszustand, denn wir zu entfliehen versuchen. Das machen wir in dem wir nach anderen Aufgaben suchen um uns dann einreden, dass wir etwas Anderes zu tuen haben. Wir fliehen vor der Pflicht uns für die Klausur vorzubereiten. Später ist es zu spät um zu lernen und danach heiß es, es war einfach keine Zeit dafür da gewesen (vgl. Rationalisieren).

Erkennen und Entgegenwirken

Um diese Angst zu erkennen, müsst ihr darauf achten, was ihr geplant habt zu tuen und was ihr tatsächlich getan habt (Fluchtlernen).

  • Wenn ihr nach eine oder mehstündigem Lernen mal auf Facebook geht oder auf YouTube geht, dann braucht das Hirn nur kurz eine Pause.
  • Wenn ihr aber vor dem Lernen oder was auch immer, eine Stunde was anderes gemacht habt und das auch noch mehrmals, dann solltet ihr nochmal darüber reflektieren.

Bei diesem Stressor, reagiert der Gestresste auch sehr gereizt auf Anfragen von bestimmten Menschen wie Eltern oder Geschwister, aber sehr gelassen gegenüber Anderen. Das kann ein Anzeichen dafür sein, dass ihr Angst davor habt die Erwartungen gewisse Menschen nicht zu erfüllen. Was können wir aber dagegen tuen?

Der erste Schritt um Ängste jeder Art zu bekämpfen ist, sich die Angst einzugestehen: "Ich habe Angst und ich will dagegen was tuen". Dieser Schritt ist der schwierigste und ohne den Willen werdet ihr es nicht schaffen. Wir versuchen hier Ängste zu bekämpfen und da wird die Psyche wegen des Selbstschutz durchaus etwas (sehr heftigen) Widerstand leisten.

Für den Folgeschritt gibt es kein Schema F. Ihr müsst tief in euch hinein horchen und fragen, woher das Überforderungsgefühl kommt:

  • Wenn es die Erwartung von Eltern sind, dann hilft zum Beispiel einfach das Reden. Ihr habt Probleme und Eltern neigen dazu euch helfen zu wollen ;).
  • Falls ihr euch einfach zu viel vorgenommen habt, dann hilft etwas Zeitmanagement.
  • Habt ihr negative Erfahrungen gemacht wie schlechte Noten trotz Klausurvorbereitung. Und dabei wart ihr euch so sicher, dass ihr es konntet! Dann müsst ihr einfach zur Klausureinsicht gehen und schauen, was da schief liegt. In den meisten Fällen, war es einfach nur Konzentrationsfehler
  • usw.

Stressor 2: Angst vor dem Unbekannten

Ein weitere Stressor, der nicht unmittelbar etwas mit dem Lernen zu tuen hat, ist die Angst vor dem Unbekannten. Das kommt vorallen bei Ämtengängen, Anträgen, entscheidende Gesprächen wie etwa Verhandlungen zum Vorschein.

Erkennen und Entgegenwirken

Dieser Art von Stressor ist extrem einfach zu erkennen. Ihr müsst euch einfach mal in die Lage versetzen, dass ihr wieder mal zum Amt geht oder bald ein Bewerbungsgespräch vor euch habt. Also in den meisten Fällen, ist hier Stress im Spiel.

Bei diesem Stressor hilft:

  • Rat und Gespräch von Unabhängigen suchen. Manchmal hilft es schon, wenn man die Erfahrung von Anderen hört: "Es war nicht so schlimm", "Er war total nett".
  • Studienberatungsstellen helfen bei Anträgen und Ämten (meisten) gerne weiter.
  • usw.

Und vorallen, solltet ihr es nicht hinaus zögert. Schläft einfach eine oder zwei Nächte darüber und versucht dann die Sache schnell wie möglich anzupacken.

Stressor 3: Das eigene Ego

Den dritten und letzten Stressor auf den wir detailliert eingehen werden, ist das eigene Ego. Dieser Stressor tritt häufig in Zusammenspiel mit anderen Stressoren auf.

Wir kriegen das Gefühl, dass wir zu "dumm" sind für die Aufgabe, während "die Anderen im Tutorium" immer mitkommen. Das ist eine der häufigsten Aussagen, die ich (bewusst hier mit ich!) als Kommilitone / Tutor / Dozent und Mentor höre.

Das ist in den allermeisten Fällen schlicht und einfach nicht wahr.

  1. Dieser Unterschied kommt dadurch, dass ihr euch unterschiedlich lange mit dem Stoff auseinander gesetzt habt. Falls ihr frisch das Studium angefangen habt und euch davor noch nicht viel damit beschäftigt habt, dann ist es kein Wunder, dass ihr Lücken füllen muss. Habt einfach den "Mut zur Lücke", recherchiert und bittet um Hilfe.
  2. Teilnehmer, die bisher sehr auffällig sind (insbesondere wenn es nicht darum gefragt wurde), haben nicht unbedingt am besten abgeschnitten. Es sind eher die ruhigen Denker.

Zu dieser Kategorie von Stressor gehört auch der Perfektionismus. D.h. ihr seid einfach nie zufrieden mit eure Arbeit. Alles muss perfekt sein und das führt zu sehr viel mehr Arbeit und endet in Stress.

Der oft missbrauchte und missverstandene Satz passt hier eigentlich perfekt: "Man soll sich akzeptieren wie man ist.". Nur weil ihr den einen Mathebeweis nicht sofort könnt, heiß es nicht, dass ihr dümmer seid ;)

Stressor 4: Bedrohung der eigenen Existenz

Bei den bisher vorgestellten Stressoren handelt es sich eher um innere Stressoren. D.h. der Stress entsteht mehr oder weniger in eurem Kopf. Die Gegengruppe sind die äußeren Stressoren. Hier liegen die Probleme primär an etwas Äußeren. Beide Gruppen sind eng miteinander gekoppelt.

Einer der Verteter ist die Bedrohung der eigenen Existenz. Dazu gehört neben den Stalker an eurem Fenster auch der vor der Tür. Zudem auch Schulden, Armut, Mobbing usw.

Bei dieser Art von Stress, benötigt ihr ernsthafter Hilfe von Außen. Schulden lösen sich nicht von alleine in Luft auf.  Frostmourne ( externe Shop) könnte gegen die Stalker helfen... das ist natürlich ein Scherz! Der Versand dauert 2 - 3 Tage. Bis dahin haben die schon alles gesehen.

Stressor 5: Lärm und Unordnung

Lärm und Unordnung werden in jedem Anti-Stress-Buch genannt. Da müssen wir natürlich mithalten: "Mit dabei sein, ist alles"!

Der Lärmpegel ist bei jedem unterschiedlich und auch eine Frage der persönlichen Erfahrung. Manche brauchen die absolute Ruhe und Isolation. Andere arbeiten am besten in der Öffentlichkeit in der Gesellschaft der Mitmenschen. Natürlich sind unsere Sinne durch den "Lärm" permanent gereizt, aber man muss auch bedenken, dass wir nicht konzentiert arbeiten können, wenn wir uns nicht wohl fühlen. Wenn ich Zuhause Angst vor Agent Mulde habe, dann kann ich mich auch nicht konzentieren. Gleiches gilt auch für Unordnung.

Wobei ihr es dreimal prüfen solltet, ob ihr wirklich unter Lärm besser arbeiten könnt als ohne. Manchmal nimmt es lediglich die Prokastination und sorgt somit für eine kleine Starthilfe. Aber ob ihr damit wirklich besser arbeiten könnt, solltet ihr doch ein paar Mal überprüfen. Denn neurologisch gesehen, sollte ein ordentliche und lärmfreie Arbeitsplatz die optimale Lernumgebung sein.

Der Teufelskreis

Das Problem an Stress ist, dass es grundsätzlich in Form eines Teufelskreis auftritt. Wenn uns etwas stresst, steigt die allgemeine Stressempfindlichkeit. Unsere Leistungsfähigkeit sinkt weiter und die Wahrscheinlichkeit auf Konfrontationen steigert sich.

Wenn wir also auf einen neuen Stressor stoßen, müssen wir als Erstes die Stressempfindlichkeit normalisieren und uns beruhigen. Eine Tasse Tee, ein Spaziergang, einen kurzen Moment der Einsamkeit, eine Träne, ...

Danach identifizieren wir den Stressor und versuchen die Ursache zu beheben. Passt hier aber bitte auf, dass ihr euch nur beruhigt und nicht das Problem verdrängt. Das geht leichter als man denkt und passiert viel häufiger als man es sich erhofft. Denn die Psyche neigt immer dazu das zu tuen, was den geringsten psychologischen Aufwand hat. Und dazu gehört leider in den meisten Fällen die Verdrängung.

Der Teufelskreis beim Zeitmangel

Bei Stress, der aufgrund von Zeitmangel entsteht, neigen wir doch dazu Zeit an anderen Stellen des Lebens zu "sparen" um uns auf das wichtige zu konzentrieren. Wir sparen an der Schlafenszeit, Essenszeit, Freizeit, Zeit für unseren sozialen Umfeld (Familien, Freunde, Feinde, etc.) und sportliche Aktivitäten (dazu gehört selbst ein Spaziergang). Das Problem an der ganzen Sache ist, dass diese Mangelerscheinungen die Stressempfindlichkeit deutlich anhebt.

Jedoch, ist das Schlimmste daran, dass es die Augen schließt und uns dadurch viele schöne Momente des Lebens vorenthalten werden. Denn durch den Stress vernachlässigen wir andere Bereiche unseres Lebens, die uns wichtig sind. Ihr seid nur einmal Jung und einmal in eurem Leben Student. Verbringt nicht 14 Stunden am Tag mit der Uni. In den ersten beiden Semester müsst ihr euch natürlich erstmal an das neue Leben als Student gewöhnen und auch das Niveau. Der Sprung ist in vielen Fächer gewaltig. Aber es geht hier nur um die ersten beiden Semester. Fang danach an, die Freiheit des Studentenlebens zu genießen. Denn ihr arbeitet (dazu gehört auch das Lernen) damit ihr leben könnt, aber ihr lebt nicht damit ihr arbeiten könnt!

 
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